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Der so genannte Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist keine ganz neue Sache, allerdings ist er auf dem deutschen Markt noch nicht sehr verbreitet. So wie es aussieht, kommt hier aber immer mehr Bewegung in die Sache. Diese Zweitmärkte machen durchaus Sinn. Es geht ganz grob darum, dass man als Besitzer eines Vertrages diesen nicht kündigt um dann nur den sehr geringen Rückkaufwert der Versicherung zu erhalten. Bei dem Zweitmarkt verkauft man seinen Vertrag an jemand anderen und kann so etwas mehr Geld erhalten. Das Ganze funktioniert per Übertragung seiner Ansprüche an einen Dritten. Dies geht aber nach unserem Kenntnisstand zur Zeit nur mit Kapital-Lebensversicherungen. Wie funktioniert der VerkaufAlso grundsätzlich muss der Versicherte natürlich erst einmal den Gedanken haben, seine Kapital-Lebensversicherung zu beenden. Dabei sprechen wir hierbei von einer Beendigung vor Vertragsende. Gemäß §176 kann ein Versicherungsnehmer das machen. Er hat dann Anspruch darauf, die Police gegen Erstattung eines Rückkaufwertes zurückzugeben. Der Versicherer muss dem Versicherten dann den vertraglich bestimmten Rückkaufwert erstatten. Dieser muss mindestens dem Zeitwert des Anspruchs gegen den Versicherer entsprechen. Aber das ist nie ein gutes Geschäft für den Versicherten. Die Rückkaufwerte des Vertrages entsprechen nur einem Bruchteil der bereits eingezahlten Beiträge. Der Versicherte muss schließlich für etliche Verwaltungskosten besonders in den ersten Vertragsjahren erhebliche Anteile mitzahlen. Außerdem muss man beim Verkauf die hieraus resultierenden Ertragszinsen versteuern, was sich zusätzlich negativ bemerkbar macht und man muss oft auf die Schlussgewinnanteile verzichten.Aufgrund dieser wenig verheißungsvollen Prognosen hat sich ein so genannter Zweitmarkt gebildet. Hier übernimmt ein Dritter per Vertrag die Ansprüche des Versicherten. Die Investoren auf den Zweitmärkten sind oft bereit, mehr als den Rückkaufwert zu bezahlen. Angeblich sollen auf den Zweitmärkten Gewinnspannen von 7 bis 15% drin sein. Allerdings muss man auch eines festhalten: der Verkauf ist nie sicher. Investoren kaufen nicht jede Versicherung auf. Man ist da schon wählerisch. Keiner sollte glauben, er könne seinen Vertrag zu 100% auf einem solchen Markt verkaufen. Aufkäufer werden nur dann aktiv, wenn ihnen auch Gewinne sicher sind. Das sollte jedem klar sein. Wer steckt hinter den Zweitmärkten?Die Geschichte begann schon vor 1900 in England, wo das Unternehmen Forster & Cranfield erste Verträge aufkaufte. Weltweit dürfte es mittlerweile unzählige Firmen geben, die Verträge aufkaufen. In Deutschland sind es noch relativ wenige (man geht von ca. zehn Firmen aus). Dabei sind die wenigsten davon Spezialfirmen, die sich nur auf dieses Geschäft konzentrieren. Spezielle Aufkäufer dürften an einer Hand zu zählen sein. Immerhin will einer der größten Vermittler im Jahr 2004 schon über ein Volumen von knapp 760Millionen Euro aus Policen verfügt haben. Jedoch gibt es wesentlich mehr Vermittler, welche die Verträge als Zwischenhändler kaufen und dann mit Gewinn an die großen Firmen weiterverkaufen. Auch Fondsgesellschaften springen immer häufiger auf den lukrativen Zug und kaufen Versicherungsverträge auf. Durch die hohe Zahl der Vermittler muss einem aber auch klar sein, dass diese an dem Geschäft mitverdienen. Dies kann sich für den Versicherten negativ auswirken.Gewinnen kann man nur die Spanne zwischen Rückkaufwert der Versicherung und dem was ein Investor zahlen würde. Geht man über einen Vermittler, so streicht dieser hier einen Teil des Ertrages ein. Das kann den Gewinn für den Versicherten auf den Zweitmärkten erheblich schmälern. Bieten Zweitmärkte Vorteile?Im Prinzip schon, aber eben nicht immer. Braucht man das Geld dringend und der Rückkaufwert der Versicherung ist niedrig, dann ist das ärgerlich. Man sollte dann zumindest von der Möglichkeit Kenntnis haben, dass man seinen Vertrag auch anderweitig weiterverkaufen kann. Findet man einen guten Aufkäufer auf dem Zweitmarkt, dann kann man oft etwas mehr Geld erlösen. Realistisch sind aber ehrlich gesagt Erträge im Rahmen von 1 bis 3 Prozent. Die von Investoren genannten 7 bis 15% sind meist nur dann drin, wenn man eine Versicherung vor einer Laufzeit von 12 Jahren kündigen will. Dann fällt (noch) die Kapitalertragssteuer weg (gilt aber wahrscheinlich nur noch bis Ende 2008). Gänzlich unklar bleibt allerdings, ob die Zweitmärkte als solche sicher sind. Das gilt jetzt weniger für den verkaufswilligen Versicherten, sondern vielmehr für die Unternehmen in den Zweitmärkten und damit auch den Anlegern auf diesen Märkten. Investoren auf diesen Märkten tragen ein erhebliches Risiko, weil die Ertragssituationen der hier gehandelten Policen kaum abschätzbar sind und auch in Deutschland ein gewisses Risiko bedeuten können. Insbesondere Märkte mit ausländischen Policen (z. B. solche aus Großbritannien) gelten nach unserem Kenntnisstand als relativ unsicher.Was man sonst beachten sollteVorsicht gilt immer bei Verträgen, die Zusatzversicherungen beinhalten. In erster Linie sei hier einmal die Berufsunfähigkeitsversicherung genannt. Enthält eine Lebensversicherung diese Versicherung, so sollte man die dort erzielten Ansprüche nicht einfach wegwerfen. Auch nicht unwichtig: man sollte immer prüfen, ob ein Aufkäufer auch den richtigen Rückkaufswert zugrunde legt. Es könnte ja sein, dass sich da mal einer verrechnet. Daher immer nachprüfen. Auch nicht so ganz ohne: die Auszahlungsmodalitäten. Sehr oft zahlen einem die Aufkäufer den Rückkaufwert nicht auf einmal. Dann gibt es eine einmalige Abschlagszahlung, der Rest wird über mehrere Jahre (bis zu acht Jahren) zurückgezahlt. Das gibt es zwar mit Zinsen. Aber letzten Endes wartet man jahrelang auf sein Geld. Und gerade das braucht ein verkaufswilliger Kunde dringend. Also: vor Verkauf prüfen!
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