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Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt Leistungen, wenn bei einem Versicherten eine Berufsunfähigkeit eintritt. Um Unklarheiten zu vermeiden, sollte man zuerst einmal die Begriffe Berufsunfähigkeit (man kann im Prinzip seinen erlernten/ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben) und Erwerbsunfähigkeit(man kann nur noch in ganz begrenztem Umfang überhaupt eine berufliche Tätigkeit ausüben) abgrenzen. Spätestens seit der Rentenreform 1999 hat sich hier einiges geändert. Wer früher keinen Gedanken an eine Berufsunfähigkeitsrente verschwendet hat, muss sich heute unter Umständen Gedanken darüber machen. Denn die staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente ist durch die so genannte Erwerbsminderungsrente ersetzt worden. Für alle Jahrgänge, die nach dem 01.01.1961 geboren sind, bedeutet dies drastische Einschnitte für den Fall einer Erwerbsunfähigkeit. Außerdem gelten relativ straffe Grundlagen, was den Begriff Erwerbsunfähigkeit angeht. Nur wer überhaupt nachweislich weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, gilt als voll Erwerbsunfähig!

Was genau ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU)?

Wie eingangs erwähnt, ist die BU eine Absicherung für den Fall, dass man zu mindestens 50% berufsunfähig wird. Die BU zahlt, wenn der Versicherte alle Vorgben erfüllt, eine vertraglich vereinbarte Rente. Die Höhe hängt in der Regel vom Invaliditätsgrad ab. Man könnte rein theoretisch eine dynamisch steigende Auszahlung der Rente vereinbaren. Man bekommt dann umso mehr Rente, je älter man ist. Allerdings sollte man sich das überlegen. Meistens ist es nämlich so, dass im Alter die gesetzliche Rente und evtl. Sparanlagen zur Auszahlung kommen. Die höhere Rente aus einer BU braucht der Normalbürger eigentlich eher, wenn er jung ist. Interessant ist, dass man mittlerweile auch Menschen in die BU aufnimmt, die noch gar nie "gearbeitet" ( im Sinn der Sozialversicherung) haben. Dies sind z. B. Kinder, Schüler, Studenten und Hausfrauen. Allerdings wird dieser Gruppe erst dann eine Rente ausgezahlt, wenn eine volle Erwerbsunfähigkeit vorliegt.

Warum ist eine Berufsunfähigkeitsrente heute sinnvoller als früher?

Seit der Rentenreform bezahlt die gesetzliche Rentenversicherung nur noch eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Diese beträgt knapp 60% der Rente, die man bei einem Eintrittsalter von 57 Jahren in die Rente erzielen würde. In vollem Umfang trifft die schlechtere Neuregelung vor allem die, die nach dem 01.01.1961 geboren sind. Ausbildung und Beruf werden nicht mehr berücksichtigt. Außerdem wird vom Berufsunfähigen heute erwartet, dass er in einem anderen Beruf arbeitet. Arbeitet er dann 6 oder mehr Stunden am Tag, erhält er statt einer BU-Rente keine Rente mehr. Arbeitet er zwischen 3-6 Stunden/Tag, erhält er die halbe Erwerbsminderungsrente. Nur wer weniger als 3 Stunden/Tag arbeiten kann, erhält die volle Erwerbsminderungsrente.

Wann sollte man die Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben will, dann gilt relativ klar: je früher, desto besser! Der Grund: Berufsunfähigkeitsversicherungen werden im Beitrag umso teurer, je älter der Antragssteller ist. Das ist irgendwie nachvollziehbar: je älter man ist, desto höher ist das Risiko, berufsunfähig zu werden. Das berücksichtigen die Versicherer in jeweils höheren Beiträgen. Außerdem prüfen BU-Versicherungen sehr penibel, wen sie überhaupt noch aufnehmen. Wer irgendeine Krankengeschichte hat, der hat nur schlechte Chancen, versichert zu werden.

Wer kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Grundsätzlich kann jeder eine solche Versicherung abschließen. Wie oben erwähnt, können mittlerweile auch Kinder, Schüler, Studenten oder Hausfrauen eine solche Versicherung abschließen, obwohl sie im Sinn der Sozialversicherung keinen Beruf ausgeübt haben. Im Fall eines Bezuges gilt dann aber: Geld gibt es nur, wenn eine volle Erwerbsunfähigkeit vorliegt. Auch Arbeitslose können sich versichern und grundsätzlich jeder Berufsstand. Aber: es gibt verschiedene Risikogruppen, die unterschiedlich hoch einzahlen müssen!

Was muss man beachten?

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist es zwingend notwendig, das Kleingedruckte genau zu lesen und zu verstehen.

  • im Vertrag sollte keine Verweisklausel bzw. ein Hinweis auf abstrakte Verweisung stehen. Diese Klausel besagt, dass man im Fall einer Berufsunfähigkeit auch andere zumutbare Arbeiten verrichten kann - der Versicherer kann den Versicherten dann in irgendeinen anderen Beruf "verweisen". Fehlt diese Klausel, dann wird die Forderung nach Annahme vermeintlich zumutbarer Arbeiten normalerweise nicht gestellt. Man erhält dann die BU-Rente der Versicherung, wenn man den angestammten Beruf nicht mehr ausüben kann. Allerdings sind Verträge ohne die Verweisungsklausel in der Regel etwas teuerer. Dennoch rät man allgemein, nur Verträge ohne abstrakte Verweisung abzuschließen.
  • im Vertrag sollte immer von Berufsunfähigkeit die Rede sein und nicht von Erwerbsunfähigkeit. Denn sonst zahlt die Versicherung erst dann, wenn man erwerbsunfähig ist.
  • achten sie darauf, ihre bisherige Krankengeschichte möglichst lückenlos zu nennen. Vertrauen sie nicht auf Zugeständnisse des Versicherungsmaklers. Diese helfen ihnen im Notfall nichts (siehe hierzu Artikel Wahrheitspflicht bei Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen)
  • Unverzüglicher Nachweis im Leistungsfall: tritt ein Leistungsfall ein, muss der Versicherte diesen unverzüglich nachweisen. Dazu gehört die Angabe eines Grundes für die BU mit Arztberichten. Behandelnde Ärzte müssen von ihrer Schweigepflicht entbunden werden, man muss zusätzlich mit der Einschaltung von Versicherungsgutachtern rechnen. Das kann zu Nachuntersuchungen führen, an denen der Versicherte in jedem Fall teilnehmen mus. Macht er das nicht, drohen Kürzungen.
  • achten sie darauf, dass sich die Versicherung ein Rücktrittsrecht von maximal 5 Jahren, besser noch weniger, einräumt. Dieses Recht tritt z. B. dann ein, wenn man dem Versicherten unterstellt, er habe wichtige Daten der Krankheitsgeschichte verschwiegen. Ihre Beiträge sind beim erfolgreichen Rücktritt der Versicherung verloren!
  • Die Versicherung sollte rückwirkend zahlen. Dies wäre dann der Fall, wenn die Meldung der Berufsunfähigkeit zu spät erfolgt. Typische Fälle sind Berufsunfähigkeiten, die zuerst nicht klar prognostiziert werden - die aber z. B. nach mehr als 6 Monaten dann doch von einem Arzt auch rückwirkend attestiert werden. In so einem Fall können, je nach Vertrag, rückwirkende Zahlungen bis zu drei Jahren drin sein. Hier gilt: je länger, desto besser für den Versicherten. Gut ist, wenn eine Versicherung auch noch für drei Jahre rückwirkend bezahlt.
  • Anerkennung/zeitliche Prognose der Berufsunfähigkeit. Hier sollte einem der Versicherer wenige Steine in den Weg legen. Es hat sich als eine gute Lösung erwiesen, wenn es gem. Vertrag ausreicht, dass ein Arzt die Berufsunfähigkeit für einen voraussichtlichen Zeitraum von sechs Monaten prognostiziert. Manche Versicherer wollen hier oft ein längere Prognose - diese wird aber von Ärzten nur ungern ausgesprochen.
  • Die Berufsunfähigsversicherung sollte optimalerweise weltweit gelten, d. h. auch dann, wenn der Vertragsnehmer ins Ausland umzieht.
  • Nachversicherungsgarantie. Auch ein Punkt, der wichtig sein kann. Ist die Klausel enthalten, kann der Versicherte seinen Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung erweitern. Dies ist typischerweise dann der Fall sein, wenn man die BU als Single abgeschlossen hat und nach einer Familiengründung die Versicherung erweitern möchte.
  • Problemfall Anbieterwechsel: Anbieterwechsel sind bei Versicherungen immer problematisch, bei der BU sowieso. Ein Wechsel macht hier eigentlich nur Sinn, wenn man bei mindestens gleichen Bedingungen Beiträge sparen kann. Beim Wechsel muss man sich im Normalfall erneut einer Gesundheitsprüfung unterziehen. In der Regel gilt hier auch: je älter man beim Einstieg ist, desto höher die Beiträge. Die alte Police sollte man nach Ansicht von Fachleuten nur dann kündigen, wenn wenn die Aufnahmeerklärung des neuen Versicherers auch vorliegt. Fehlt diese, kann man leicht den kompletten Versicherungsschutz verlieren und steht sozusagen mit leeren Händen da.

Die BU-Versicherung ist sehr wichtig, aber…

Irgendwie muss man als Verbraucher schon das Gefühl bekommen, dass man manchmal unter Druck gesetzt werden soll um in irgendwelche Verträge zu gehen. Das gilt auch für die BU. Keine Frage, diese Versicherung kann große Risiken abdecken. Aber eben mit vielen Haken und Ösen und mit fragwürdigen Zahlen. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft liegt das Risiko zur Berufsunfähigkeit bei Männern weit über 40 Prozent, bei Frauen deutlich über 30 Prozent. Fachleute sind sich dagegen einig, dass das Risiko zur Berufsunfähigkeit in der modernen Berufswelt deutlich geringer ist als früher.

Grundsätzlich gibt es noch Gruppen mit Risiken über 40 Prozent. Dazu gehören z. B. Gerüstbauer, Dachdecker oder bestimmte im Straßenbau tätige Arbeiter. Hier würde ein Versicherung Sinn machen, aber: gerade für diese Gruppen sind die Versicherungen unverschämt teuer, manchmal sogar unbezahlbar!

Extrem gering ist das BU-Risiko dagegen bei vielen modernen Berufen und z. B. bei Akademischen Berufen wie Anwälten, Ingenieuren, Ärzten oder Architekten. Die Police ist hier zwar günstiger, aber jeder in dem Berufsfeld tätige muss sich die Frage stellen: für was brauche ich die Versicherung eigentlich, welches Risiko möchte ich damit wirklich abdecken?

Egal welchen Beruf man ausübt: die meisten Menschen, die einmal Berufsunfähig werden, bleiben das nicht für immer. Man könnte hier von einer temporären Berufsunfähigkeit sprechen, die dann auch kein existenzbedrohendes Risiko ausmacht.

BU-Versicherer haben wohl erkannt, dass man mit Panikmache alleine auf Dauer nicht bestehen kann. So wurden einige vermeintlich interessante Pakete geschnürt (oft mit Unterstützung der Politik).

Billigpolicen als Lösung?

Die BU-Versicherung wurde lange Zeit als wichtigste und unverzichtbarste Versicherung dargestellt. Mittlerweile sind wir alle etwas weiter und haben erkannt, dass es sich zu oft um einen Etikettenschweindel handelt. Dafür gibt es natürlich die Lösung: Kombiprodukte aus Altersvorsorge und BU-Paket. Das soll angeblich steuerlich absetzbar sein und die BU-Pakete sollen deutlich günstiger sein als reine BU-Versicherungen. Wenn's denn so ist, warum nicht. Zweifel darf man haben.

Die BU gehört auch zu den teueren Versicherungen, im Leistungsfall wird außerdem nicht gerne bezahlt. Das hält viele Verbraucher vom Abschluss ab.

Als vermeintliche Alternative werden Billig-Policen angeboten, welche aber in der Regel deutlich weniger Schutz als die normale BU bieten. Typisch wäre hier die so genannte Erwerbsunfähgigkeitsversicherung. Hier entfallen bei vielen Anbietern die Gesundheitsprüfungen. Aber: die Erwerbsunfähgikeitsversicherung würde nur dann eintreten, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann. Hier lockt man mit deutlich günstigeren Beiträgen (knapp 40% unter der normalen BU), leistet aber auch deutlich weniger. Außerdem wird auch hier nicht einfach so drauflosgezahlt - man sollte die Bedingungen gut lesen. Manche Erwerbsunfähigkeitsversicherer zahlen nur dann, wenn ein Arzt eine Erwerbsunfähigkeit für mindestens 24 Monate prognostiziert. Bessere Policen zahlen bei ärztlichen Prognosen von nur sechs Monaten.

Eine weitere Sonderform ist die Existenzschutzversicherung. Sie zahlt bei Unfällen und ausgewählten, speziellen Krankheiten. Hier gibt es dann auch eine Gesundheitsprüfung, es werden aber eben nur bestimmte Krankheiten abgedeckt. Es kommt logischerweise zu weniger Ablehnungen, aber der Versicherungsschutz ist deutlich abgespeckt.

Ähnliches gilt für die Dread-Disease-Versicherung, die auch bei ausgewählten Erkrankungen zahlt und für Leute infrage kommt, die von der BU abgelehnt werden. Mehr Info zur Dread-Disease Versicherung.

Weitere Alternativen könnten die Grundfähigkeitenversicherung bzw. die Unfallversicherung sein. Die Grundfähigkeitenversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn spezielle Erkrankungen bzw. Ereignisse eintreten. Die Unfallversicherung hingegen zahlt praktisch nur im Fall eines Unfalles - der macht aber nach letzten Erhebungen nur ca. 10 Prozent aller Fälle einer Berufsunfähigkeit aus.

Kündigung einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Kündigungsfrist beträgt normal einen Monat, normal kann man frühestens nach einem Jahr kündigen. In der Regel können BU-Versicherung immer zum Ende eines Versicherungsjahres gekündigt werden. Bei speziellen Zahlungsarten ist auch eine Kündigung zum Ende eines Zahlungsabschnittes denkbar. Eine Kündigung sollte aber gut überlegt sein. In der Regel verliert man seine bisherigen Beiträge. Will man sich dann irgendwo neu versichern, zahlt man in der Regel mehr (weil man mittlerweile älter ist). Außerdem muss man bei Neuverträgen auch wieder eine Gesundheitsprüfung machen, grundsätzlich steigt die Ablehnungsquote mit steigendem Alter rapide an.

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  • » Wahrheitspflicht bei BU
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